Kurze Zeit nach Almas Augenoperation hatten wir damit begonnen, ihr Auge mit einem Augenpflaster zu trainieren. Das war gewöhnungsbedürftig für Alma, für ihre Haut, für uns als Eltern und für die restliche Familie.

Wir fanden schnell heraus, dass es für Alma leichter war, das Augenpflaster zu tragen, wenn wir unterwegs waren, da sie dann mit all den Dingen beschäftigt war, denen wir begegneten. Sie saugte alles in sich auf, ganz gleich ob wir einkauften, die Kinder aus dem Kindergarten abholten usw. Es gab viele Kommentare und Fragen…! Auch von Erwachsenen aber in besonders hohem Grad von Kindern. Denn die sagen ja einfach, was sie denken… ?

Wenn ich es ändern könnte…

Ein Tag ist mir besonders in Erinnerung geblieben… Ich war auf dem Weg in einen Laden, als ich mit Alma im Kinderwagen an einem Jungen und seiner Mutter vorbei kam, die aus dem Laden herauskamen. Der Junge drehte sich um, um Alma nochmals anzuschauen und fragte seine Mutter, weswegen sie ein Pflaster auf dem Auge habe. Die Mutter stupste ihn nur schnell an, damit er weiter ging und sagte: „So etwas fragt man nicht“.

Wenn ich es ändern könnte, würde ich die beiden anhalten. Der Junge hatte ja eine echte Frage, und das Letzte, was ich mir wünschte, war, dass er glauben sollte, dass es nicht OK war, zu fragen. Seine Neugier war berechtigt.

Ein Rat von einer Schieltherapeutin

Vor ein paar Monaten war ich mit meinen Jungs bei einer Schieltherapeutin. Sie sagte, dass der beste Rat, den sie Eltern mit Kindern, die mit einem Augenpflaster trainieren mussten, geben konnte, darin besteht, die Kinder nicht von der Umwelt abzuschirmen, wenn sie das kranke Auge trainierten, sondern stattdessen dazu ein so natürliches Verhältnis wie möglich aufzubauen.

Genauso sehe ich das auch! Eben weil ich mich für Almas Augenpflaster nicht schäme, hätte ich dem Jungen auch sehr gerne seine Frage beantwortet. Ich möchte nicht, dass Alma sich wegen des Augenpflasters oder ihres Auges, das ab und zu hängen bleibt, komisch fühlen soll. Es ist eben ihre kleine Besonderheit. Menschen sind nun einmal von Natur aus nicht perfekt. Nur Offenheit kann verhindern, dass es für sie zu einem Tabuthema wird. Stattdessen soll sie sich bei diesem Thema wohl und gut informiert fühlen. Außerdem bin ich ja grundsätzlich der Ansicht, dass wir durch Offenheit über unsere Geschichte zur Aufklärung über angeborenen Grauen Star beitragen können – Ein übersehenes Augenleiden, das viel mehr Aufmerksamkeit z. B. vonseiten der praktizierenden Ärzte erfordert, damit Kinder mit dem Augenleiden die bestmöglichen Bedingungen haben, um langfristig ein möglichst gutes Sehvermögen zu erhalten.